Auf unseren Jugendfreizeiten in Argelès-sur-Mer war ein Ausflug nach Collioure stets ein besonderer Programmpunkt. Dieser Küstenort nahe der spanischen Grenze hat so einiges zu bieten, u.a. lohnt sich ein Besuch der Kirche Notre-Dame-des-Anges. Der Glockenturm dieser Kirche war einst ein Leuchtturm, der bis ins 17. Jahrhundert nachts mit Feuer und tagsüber mit Rauch den Schiffen den Weg in den Hafen wies. Bis heute ist der Turm zum Großteil von Wasser umgeben und trotzt Wind und Wellen.
Im Lied „My lighthouse“ von Rend Collective heißt es im Refrain: „I will trust the promise. You will carry me safe to shore.“ „Ich vertraue deinem Versprechen, dass du mich sicher an Land bringen wirst.“ Beim Leuchtturm stimmt das ja nicht so ganz. Er zeigt zwar an, wo der Hafen ist, aber das Schiff lenken, tut er nicht. Das muss der Kapitän selber machen. Und so ist es ja auch im Leben außerhalb der Schifffahrt. Auch da gibt es „Leuchttürme“, Menschen und Maßstäbe, an denen ich mich orientieren kann. Sie helfen mir, gute Wege zu finden, doch sie nehmen mir die Entscheidungen nicht ab. Diese muss ich selber treffen und dann auch selber losgehen.
Ein Leuchtturm steht – unabhängig davon, ob er Beachtung findet oder nicht, ob die Wellen gerade hochschlagen oder ob die Sonne scheint. Im Lied heißt es sinngemäß: „Du bist da in meinen Kämpfen und Zweifeln. Auch wenn ich Fehler mache und viele Fragen habe, verlässt du mich nicht. Du schenkst Frieden, wenn ich innerlich aufgewühlt bin.“
Vermutlich kennen die meisten solch turbulente Zeiten
- wo die Wellen der Angst oder Empörung hochschlagen und Gegenwind kommt
- Zeiten der Sorgen und Ungewissheit: Wie geht es weiter? Werde ich es schaffen?
- Zeiten, die von schwierigen Entscheidungen und Herausforderungen geprägt sind, wo einfach alles zu viel ist...
Die „Leuchtturm-Kirche“ in Collioure zeigt, was es heißt an Jesus zu glauben, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Wie ein Leuchtturm gibt er dir Orientierung. Er wird nicht jeden Sturm verhindern, aber er will dir helfen, dass du nicht untergehst. Wie Gott sein Volk in den Wüstenzeiten mit der Feuersäule in der Nacht und der Wolkensäule am Tag geleitet und begleitet hat (2.Mose 13.21f.), so wird Gott auch uns durch die Stürme des Lebens und der Welt begleiten. Anstrengend ist es trotzdem, denn rudern müssen wir selbst. Aber wir sind nicht verloren in dem weiten Meer der Möglichkeiten und Herausforderungen, weil wir wissen, wo wir uns festmachen können: Bei Jesus, "my lighthouse", denn „dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“ (Psalm 119,105).